Centralstation Darmstadt: Soziale, ökologische und kulturelle Vielfalt
Das drittälteste E-Werk der Welt, die ehemalige „Centralstation für elektrische Beleuchtung“ aus dem Jahr 1888, speist die Stadt Darmstadt heute nicht mehr mit Strom, sondern mit energiegeladenem Kulturgeschehen.
Die unterschiedlich großen und vielseitig nutzbaren Veranstaltungsräume Halle, Saal und Bar bieten Platz für bis zu 1.000 Besucher*innen.
Kontinuierlich entwickelt der Kulturbetrieb neue Programmformate oder kooperiert bei stadtweiten Festivals und Schwerpunktthemen. Vielfalt ist nicht nur die Devise bei der Programmgestaltung, sondern auch bei der Umsetzung: Inklusion, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Diversität werden konsequent mitgedacht.
Das internationale Kulturprogramm reicht von Jazz über Rock, Pop und Neoklassik bis hin zu Literatur, Poetry Slam, Theater sowie Comedy. Ergänzt wird das Angebot durch Bildungsformate und Vorträge sowie spezielle Programme für junge Menschen und Schulen. Konzerte und Theaterstücke für Kinder ab drei Jahren und die ganze Familie sind ebenso Teil des Programms wie die Ü40- und Ü50-Discos für die ältere Generation. Für dieses Konzept wurde die Centralstation mit dem Spielstättenpreis „Applaus“ geehrt.
Durch die Verortung der Centralstation inmitten der Darmstädter Fußgängerzone spielt sie auch im Entwicklungsprozess der Innenstadt eine wichtige Rolle, ihre gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV trägt zum nachhaltigen Konzept bei.
Unsere Themen
Kulturarbeit besteht nicht nur aus Bühnenprogramm und Eventplanung. Sie bedeutet auch, sich mit Themen und Herausforderungen auseinanderzusetzen, die über die eigentliche Veranstaltung hinausgehen – sei es durch Netzwerke, gesellschaftliche Entwicklungen oder konkrete Bedürfnisse vor Ort. Oft ergeben sich neue Impulse zufällig, entwickeln sich aber schnell zu echten Handlungsfeldern. Die Centralstation nimmt diese Aufgaben bewusst an – mit Neugier, Haltung und dem Wunsch, aktiv mitzugestalten.
Trotz ihres denkmalgeschützten Charakters ist die Centralstation in allen Bereichen barrierefrei zugänglich – ein großer Vorteil. Menschen mit Gehbehinderung oder im Rollstuhl können unsere Veranstaltungen problemlos besuchen.
Doch Barrierefreiheit endet nicht beim stufenlosen Zugang. Seit unserer ersten Beteiligung am Aktionsplan „Auf dem Weg zu einer inklusiven Stadt“ sowie dem Festival „Alles inklusive?!“ (2015 und 2021), arbeiten wir kontinuierlich daran, unser Verständnis von Inklusion zu vertiefen und Barrieren abzubauen. Dazu gehören:
→ Erproben von Leichter Sprache,
→ Bau einer „Toilette für Alle“
→ Inklusive Disco
→ Regelmäßige interne Fortbildungen
→ Freier Eintritt und ermäßigte Angebote
→ Besondere Formate: Kinderkonzerte, Teenie-Disco, Best-Ager-Partys, etc.
Der Weg ist nicht abgeschlossen – aber wir gehen ihn mit Überzeugung.
Awareness (von engl. „to be aware of“: sich über etwas bewusst sein) bedeutet, individuelle Grenzen und Bedürfnisse zu achten. Es ist ein Konzept für respektvolles Miteinander und gegen Diskriminierung. Ziel ist es, einen Raum frei von Übergriffen und diskriminierendem Verhalten zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen können.
Seit 2024 hat die Centralstation ein eigenes Awareness-Konzept. Betroffene von Diskriminierung, Belästigung jeglicher Art oder Überforderung/Überreizung sollen schnell und vertraulich Unterstützung erfahren. Unser geschultes Personal sorgt für ein sicheres Umfeld, hört zu und handelt im Willen der betroffenen Person. Diese entscheidet selbst, welche Art der Unterstützung sie sich wünscht – sei es ein Rückzugsort, ein Gesprächsangebot, die Begleitung zum Auto oder andere Maßnahmen.
Unser Code of Conduct soll ein solidarisches Miteinander und einen sicheren, respektvollen Umgang aller Personen ermöglichen.
Die Centralstation engagiert sich aktiv im Bereich kulturelle Bildung und arbeitet eng mit Schulen und Bildungsträgern zusammen.
Das selbst entwickelte Jugend- und Kinderliteraturfestival „Huch, ein Buch!“ hat sich in 15 Jahren erfolgreich etabliert und ist zu einer festen Größe in der regionalen Kulturlandschaft geworden. Bei vielen Schulen ist das Festival ein gesetzter Termin im Jahreskalender. Für sein besonderes Engagement wurde es bereits zweimal mit dem Hessischen Leseförderpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus bringen Veranstaltungen wie „Brandmale“, der „U20-Slam“ oder die „Lichterschlacht“ junge Menschen mit Kultur in Berührung – niedrigschwellig, partizipativ und auf Augenhöhe.
Ein weiteres erfolgreiches Format ist die Jugenddisco „Jump up“ für 12- bis 15-Jährige, die regelmäßig stattfindet und sich bei der Zielgruppe großer Beliebtheit erfreut.
In Kooperation mit dem „MuK“ veranstaltet die Centralstation außerdem das Mediencamp für Schüler*innen oder den ElternTalk zu medienpädagogischen Themen. Darüber hinaus beteiligt sich die Centralstation regelmäßig an der vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain initiierten Reihe „Kunstvoll“, in deren Rahmen Kulturinstitutionen und Schulklassen gemeinsam ein Jahr lang an einem künstlerischen Projekt arbeiten.
Bis 2025 war die Centralstation ein wichtiger Spielort für das Festival „Starke Stücke“ mit preisgekrönten Theaterproduktionen aus der ganzen Welt.
Der Traum vom klimaneutralen Kulturbetrieb begleitet uns schon lange – und wir arbeiten aktiv darauf hin. Nachhaltigkeit ist dabei nicht nur Ziel, sondern Prozess und Praxis. Wir gestalten Kulturveranstaltungen, die entweder selbst nachhaltig konzipiert sind oder sich inhaltlich mit ökologischen Fragen auseinandersetzen. Auch innerhalb der Stadtwirtschaft Darmstadt bringen wir unsere Perspektive als Kulturbetrieb ein und liefern Daten für den städtischen Nachhaltigkeitsbericht. Darüber hinaus sind wir Mitglied im Umweltnetzwerk Darmstadt.
Auf überregionaler Ebene haben wir am Projekt „jetztinzukunft.de“ teilgenommen – einem Forschungsprojekt der Universität Hildesheim in Kooperation mit dem Bundesverband Soziokultur e.V. Ziel war es, gemeinsam Kriterien für einen Nachhaltigkeitskodex für Kulturbetriebe zu entwickeln. Unsere Praxisbeispiele und Erkenntnisse sind Teil des Abschlussberichts und eines daraus entstandenen Praxishefts.
Die denkmalgeschützte Centralstation liegt inmitten der Darmstädter Fußgängerzone und ist damit nicht nur kulturell, sondern auch städtebaulich ein prägnanter Ort. Im Zuge des neuen Bundesprogramms zur Stärkung der Innenstädte hat in Darmstadt ein konstruktiver Dialog über die Zukunft des urbanen Raums begonnen – ein Prozess, in den sich die Centralstation aktiv einbringt.
Darüber hinaus versteht sich die Centralstation als soziokulturelle Netzwerkerin, die Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen zusammenführt. Ob Initiativen, Kultureinrichtungen oder Bildungsträger – die Zusammenarbeit zeigt sich in gemeinschaftlich konzipierten Veranstaltungen, Reihen und Projekten. Soweit es die Ressourcen und das Alltagsgeschäft zulassen, bringt sich das Team aktiv in relevante städtische und gesellschaftliche Prozesse ein – und vernetzt Institutionen, Menschen und Ideen, die ähnliche Ziele verfolgen.
Geschichte
Der Ursprung der heutigen Centralstation geht zurück ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1887: Am 23. Juni beschließt die Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Errichtung eines Elektrizitätswerks – und katapultiert mit diesem Beschluss Darmstadt in die Avantgarde der weltweiten Elektrizifierung. An der Schuchardtstraße kauft die Stadt ein 1200 qm großes Grundstück und beginnt mit dem Bau des dritten Elektrizitätswerks der Welt!
Der schnell steigende Strombedarf machte es nach kurzer Zeit notwendig, die Kapazität zu erhöhen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts entstand deshalb eine neue Maschinenhalle mit Kesselhaus – das Gebäude der heutigen Centralstation mit seinem Nachbargebäude im Carree.
1912 wird die HEAG (Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft) gegründet und übernimmt den Betrieb der beiden Hallen. 1920/21 stellt die HEAG die Stromerzeugung mitten in der Darmstädter Innenstadt ein und nutzt das Gebäude bis 1976 als Schaltwarte. In der Bombennacht vom 11. September 1944, der sogenannten Darmstädter Brandnacht, wird die Dachhaut der Hallen zerstört, Dachbinder und Außenwände bleiben erhalten.
1977 zieht die HEAG nach Kranichstein und die unter Denkmalschutz stehenden Hallen sind leer. Als erste treten 1977 die Darmstädter Jungsozialisten mit einem Vorschlag für die künftige Nutzung der HEAG-Maschinenhalle an die Öffentlichkeit und bringen damit einen Prozess für neue Ideen in Gang. 1980 wird zunächst das Kesselhaus, die „Halle A“, 1988 dann das Maschinenhaus, die „Halle B“ und heutige Centralstation, an die Stadt verkauft.
Von 1994 bis 1995 wird der Komplex im Herzen der Innenstadt zum heutigen Carree umgebaut. Die „Gemeinnützige Betreibergesellschaft City-Kultur mbH“ wird 1996 gegründet, um die kulturelle Nutzung der „Halle B“ zu planen. Am 25. März 1999 öffnet die Centralstation als Kulturwerk offiziell ihre Türen und veranstaltet seither ein vielseitiges Programm auf drei Ebenen im Haus sowie darüber hinaus gemeinsam mit zahlreichen kulturellen Kollaborateur*innen an vielen weiteren Orten der Stadt.
Seit ihrer Eröffnung unterstützt die HEAG Südhessische Energie AG, heute ENTEGA, die Centralstation als Hauptsponsor. Die Centralstation wird zunächst „Kulturwerk der HSE“, 2015 „Kulturwerk der ENTEGA“. Seit 2009 läuft die Centralstation mit Ökostrom. Am 1. April 2014 wird die Centralstation hundertprozentige Tochter des Wissenschafts- und Kongresszentrums darmstadtium und damit der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Die Geschäfte der neuen Centralstation Veranstaltungs-GmbH führen Meike Heinigk und Lars Wöhler.
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